Sind Konflikte in Afrika wirklich religiös – oder stecken wirtschaftliche, politische und soziale Ursachen dahinter? Diesen Fragen sind wir 2017 mit drei Podiumsdiskussionen und unserem AMK-Fachtag am 2. Dezember nachgegangen. Im Mittelpunkt stand die Rolle der Diaspora.
3
Podiumsabende im Wedding
102
Gäste bei den Podien
89
Teilnehmende am Fachtag
Worum es ging
In Afrika südlich der Sahara treffen Christentum, Islam und traditionelle Spiritualität aufeinander. Lokale Kriegstreiber können diese Unterschiede leicht für Stigmatisierung und Vergeltung missbrauchen. Auch in Deutschland wird Religion instrumentalisiert – bis hinein in die Berliner Kieze.
Das Projekt knüpfte an „BurkinAfrique – afrikanische Perspektiven auf Frieden und Entwicklung“ aus dem Jahr 2016 an.
Leitfragen
- Welche wirtschaftlichen, politischen und sozialen Ursachen stecken hinter scheinbar religiösen Konflikten?
- Welche Probleme schaffen religiöse Spannungen für die Entwicklungsarbeit?
- Welche Rolle können religiöse Akteure, Gemeinden und die Diaspora für den Frieden spielen?
Die Podiumsreihe
- 3. Oktober 2017 „Rolle und Funktion von Religion und religiöser Einrichtungen in der heutigen Gesellschaft“ Arresalah-Moschee, am Tag der offenen Moschee
- 27. Oktober 2017 „Religiöse und ethnisch basierte Vorurteile innerhalb der migrantischen Gemeinschaft“ Haus der Jugend am Nauener Platz
- 17. November 2017 „Religiöser Extremismus und die Instrumentalisierung religiöser Spannungen in Europa“ Haus der Jugend am Nauener Platz
An den drei Abenden nahmen 102 Menschen teil. Die Podien waren zugleich Teil unseres Projekts „Weddinger Netzwerk des Interkulturellen Dialogs“. Es sprachen Vertreter*innen von Moscheen, Kirchen und Initiativen, darunter:
- Inssan e.V.
- Alkawakibi e.V.
- Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
- ForumDialog/House of One
- Alevitische Gemeinde zu Berlin
- Bürgerplattform Wedding/Moabit
- EPIZ Berlin
- ReachOut

Der Fachtag am 2. Dezember 2017
Den Abschluss bildete der Fachtag im Kurt-Schumacher-Haus in Berlin-Wedding mit 89 Teilnehmenden. Zum Auftakt sprach die Botschaft Nigerias über die Zusammenarbeit von Regierungen und Diaspora für Frieden und nachhaltige Entwicklung. Danach folgten vier Impulse:
Kirchen ohne Missionare
Die Entwicklungsarbeit afrikanischer Kirchen, die ohne Missionare gegründet wurden – ein Impuls aus der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin.
Religiöse Hilfsorganisationen
Erfahrungen religiös orientierter Hilfsorganisationen, vorgestellt vom Internationalen Christlichen Friedensdienst EIRENE.
Diaspora und Frieden
Welche Rolle die Diaspora für den Frieden spielen kann – aus Sicht der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit der Stadt Ludwigsburg.
Frieden sichern, Waffen exportieren?
Sind Friedenssicherung und Waffenexport ein Widerspruch? Ein Impuls aus dem Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin.
Am Nachmittag ging es in drei Panels weiter:
- religiöse Spannungen als Fluchtursache in der Zentralafrikanischen Republik, im Tschad, in Nigeria und Kamerun
- Rechtsruck, Islamfeindlichkeit und religiöser Extremismus
- der „Marshallplan mit Afrika“
Außerdem haben wir auf dem Fachtag unser Projekt „L’avenir c’est ici! – Die Zukunft ist hier!“ in Kamerun vorgestellt.
Ergebnisse
- Spannungen zwischen Angehörigen verschiedener Religionen entstehen nicht aus den Religionen selbst, sondern durch politische Manipulation in Machtkämpfen.
- Wege aus solchen Konflikten sind interreligiöser Dialog, gemeinsame Projekte von Christ*innen und Muslim*innen und die Einbindung religiöser Leitungspersonen.
- Gegen Alltagsrassismus braucht es dauerhafte Bewusstseinsbildung und mehr Beteiligung von Menschen mit Migrationsgeschichte.
- Am „Marshallplan mit Afrika“ wurde kritisiert, dass er ohne Afrikaner*innen, Diaspora und Zivilgesellschaft entstanden ist.
Fast alle Expert*innen hatten eine Migrationsgeschichte. Auch das Publikum bestand jeweils mindestens zur Hälfte aus Menschen mit Migrationsgeschichte.
Das Projekt wurde von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), von der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit Berlin (LEZ) über die Stiftung Nord-Süd-Brücken und von Brot für die Welt gefördert.
