Mit dem Projekt „Kamerun 2035 – vereint, stabil, friedlich?“ haben wir 2018 gemeinsam mit der kamerunischen Diaspora in Berlin nach Wegen aus dem Konflikt zwischen anglophoner und frankophoner Bevölkerung gesucht. Auf drei Podiumsdiskussionen im Frühjahr folgte am 15. September unser AMK-Fachtag.
3
Podiumsdiskussionen
94
Gäste bei den Podien
76
Teilnehmende am Fachtag
Worum es ging
Kamerun hatte sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2035 wollte das Land ein Schwellenland mit mittlerem Einkommen werden. Doch seit Ende 2016 hatte sich der Konflikt zwischen der „anglophonen“ und der „frankophonen“ Bevölkerung verschärft. In den anglophonen Gebieten war er zum Bürgerkrieg eskaliert.
Die Wurzeln des Konflikts reichen in die Kolonialzeit zurück, als Kamerun in zwei Gebiete geteilt wurde. Auch schlechte Regierungsführung spielte eine große Rolle. Neben der Suche nach Lösungen wollten wir eine breite Öffentlichkeit über die Lage in Kamerun informieren.
Was wir uns vorgenommen hatten
- das koloniale Erbe und seine Rolle im aktuellen Konflikt analysieren
- eine Vision guter Regierungsführung für Kamerun entwerfen
- Impulse für eine Lösung des Konflikts erarbeiten
- die kamerunische Diaspora zu Austausch und mehr entwicklungspolitischem Engagement ermutigen
Drei Podiumsdiskussionen
Im April und Mai 2018 luden wir zu drei Abenden ein, jeweils von 18 bis 21 Uhr. Nach einer Keynote und drei Impulsen diskutierten Expert*innen und Publikum gemeinsam. Zum Abschluss gab es ein afrikanisches Buffet.
- 20. April 2018 Die koloniale Vergangenheit als Ansatz für Lösungen: Welche Verantwortung tragen Deutschland, Frankreich und Großbritannien? Welche gemeinsamen Werte aus vorkolonialer Zeit können heute den Frieden stärken? Restaurant Makénéné, Berlin-Charlottenburg
- 4. Mai 2018 Der Konflikt in Kamerun – Ursachen verstehen, die Krise überwinden: Es ging um gute Regierungsführung und um die Frage, ob das von Frankreich übernommene zentralistische System zu Kamerun passt. Restaurant Makénéné, Berlin-Charlottenburg
- 18. Mai 2018 Das Potenzial der Diaspora: Welche Rolle kann die kamerunische Diaspora für eine dauerhafte Lösung spielen? Afrika Haus, Berlin-Moabit
Insgesamt kamen 94 Menschen. Teilnehmende aus beiden Landesteilen diskutierten offen und friedlich – zum Beispiel darüber, ob Kamerun vor allem ein Sprachproblem hat oder ein Problem seiner Institutionen.
Der Fachtag am 15. September 2018
Der Fachtag im Kurt-Schumacher-Haus in Berlin-Wedding bildete den Abschluss des Projekts. Er griff die Ergebnisse der Podien auf – wenige Wochen vor der Präsidentschaftswahl in Kamerun am 7. Oktober 2018. Insgesamt nahmen 76 Menschen teil. Auf dem Programm standen:
- eine Keynote zu den Ursachen der Krise in Kamerun
- Impulse zum kolonialen Erbe, zum Regierungssystem und zu Wegen zu einem friedlichen Zusammenleben vieler Volksgruppen
- drei Panels: „Vergebung und Versöhnung als Weg aus der Krise für Kamerun“, „Wie kann die Mehrsprachigkeit in Kamerun bewusst gelebt werden?“ und „Regierungssystem in Kamerun: Modelle der Dezentralisierung“
- die Buchpremiere „Representations and Renegotiations of the Nation in Anglophone Cameroonian Literature“ einer kamerunischen Literaturwissenschaftlerin
Ergebnisse
- Für einen stabilen Frieden wurden drei Dinge als zentral benannt: gute Regierungsführung, weniger Ungleichheit und die Aufarbeitung der Kolonialzeit und ihrer Folgen.
- Ideen zur Lösung des Konflikts wurden an politische Vertreter*innen weitergegeben.
- Die kamerunische Diaspora erlebte sich als handlungsfähig – auch unter den schweren Bedingungen des Konflikts.
- Selbstkritisch diskutierte sie, wie sie ihre Möglichkeiten besser für Entwicklung und Frieden in Kamerun einsetzen kann.
Kamerun blieb ein Thema unserer Veranstaltungen: 2019 und 2026 luden wir zu Zukunftswerkstätten über eine mögliche 3. Republik ein.
Das Projekt wurde von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und von der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit Berlin (LEZ) über die Stiftung Nord-Süd-Brücken gefördert.
