Wie kann Kamerun eine demokratische und stabile „dritte Republik“ werden? Dieser Frage sind wir am 28. September 2019 mit einer Zukunftswerkstatt im Kurt-Schumacher-Haus nachgegangen. 30 Teilnehmende arbeiteten einen Tag lang an Visionen und Perspektiven für das Land.
30
Teilnehmende
3
Arbeitsgruppen
10+
Kooperationspartner
Worum es ging
Kamerun erlebte seit Jahren schwierige Zeiten. Im Norden war die islamistische Terrorgruppe Boko Haram seit 2009 schrittweise vorgedrungen und hatte mehr als 400 Angriffe und Überfälle verübt, dazu Selbstmordanschläge. Im Nordwesten und Südwesten herrschte seit über drei Jahren die sogenannte anglophone Krise. Sie hatte mehr als 1000 Opfer gefordert und das Land gespalten.
Hinzu kamen die Auseinandersetzungen nach der Präsidentschaftswahl 2018. Sie spalteten das Land weiter und machten die Lage noch instabiler. Zusammen lösten diese Konflikte eine allgemeine Krise aus, die alle Bereiche der Gesellschaft erfasste.
Die Leitfrage
Welche Wege könnte es für Kamerun zu einer demokratischen und stabilen dritten Republik geben – einer Republik, die Antworten auf die allgemeine Krise findet und eine dauerhafte Lösung des Konflikts zwischen anglophoner und frankophoner Bevölkerung möglich macht?
So haben wir gearbeitet
Nach der Begrüßung gaben Fachleute Impulse zur Analyse der Probleme. In der anschließenden Diskussion waren alle eingeladen, sich einzubringen. Danach durchlief die Werkstatt vier Schritte:
Probleme benennen
Zuerst ging es um die zentralen Probleme Kameruns: aktuelle Konflikte, wachsende Ungleichheit, schwache Institutionen, Defizite der Regierungsführung, die unzureichende Aufarbeitung des Kolonialismus, die Einbindung in den Weltmarkt und schwaches Wachstum.
Kritik sammeln
Die Teilnehmenden brachten ihre Kritikpunkte ein. Gemeinsam benannten sie Hemmnisse für die Entwicklung – im Land selbst und von außen.
Ziele bestimmen
Aufbauend auf der Kritik und ausgewählten Problemen legten sie Ziele für die Zukunft fest.
Visionen und Wege
Zum Schluss formulierten sie Visionen für die politische Entwicklung Kameruns. In Gruppen erarbeiteten sie Strategien, Maßnahmen und Schritte, um die Ziele zu erreichen.
Die drei Arbeitsgruppen befassten sich mit Geschichte und Identität, mit einer Reform der Bildung sowie mit sozialer Ungleichheit und einer Reform des Staates.
Offen für alle Lager
Die Zukunftswerkstatt war kein Ort für parteipolitischen Streit. Sie richtete sich an Menschen aus der kamerunischen Diaspora, die über Lagergrenzen hinweg zur Überwindung der Konflikte beitragen wollten. Eingeladen waren außerdem alle, die sich für die Entwicklung in Kamerun und Zentralafrika interessieren. Auch die Botschaft Kameruns war informiert und eingeladen. Damit alle intensiv mitarbeiten konnten, war die Runde bewusst auf 30 Personen begrenzt.
Mit dabei
Kooperationspartner der Zukunftswerkstatt waren unter anderem:
- Landesnetzwerk Afrikanischer Vereine (LAV)
- NARUD e.V.
- moveGLOBAL e.V.
- Nkul Beti e.V.
- Titan e.V.
- Kone e.V.
- Vétéran Flambeau Club Berlin e.V.
- Union Berlin
- Feefee e.V.
- 1. FC Afrisko
- afrikanische Kirchengemeinden und Moscheen
Wie es weiterging
Kamerun beschäftigt uns seit Langem. Schon 2018 drehte sich unser Fachtag „Kamerun 2035 – vereint, stabil, friedlich?“ um den Konflikt zwischen anglophoner und frankophoner Bevölkerung. Im September 2026 haben wir das Format wieder aufgegriffen – mit einer neuen Zukunftswerkstatt über Kamerun.
