
Wie kann Kamerun einen friedlichen und demokratischen Übergang schaffen, der alle Menschen im Land einbezieht? Um diese Frage ging es bei unserer Zukunftswerkstatt am Samstag, 5. September 2026. Einen Tag lang arbeiteten die Teilnehmenden im Haus der Jugend in Berlin-Wedding und online an Visionen und ersten Schritten.
Worum es ging
Kamerun steht an einem politischen Wendepunkt. Das Staats- und Regierungssystem ist stark auf das Amt des Präsidenten zugeschnitten. Zugleich sind zentrale Probleme ungelöst: die anglophone Krise, regionale Ungleichheiten und die Frage, wie alle Bevölkerungsgruppen politisch vertreten und beteiligt werden.
Über Parteien oder einzelne Politiker*innen wollten wir bewusst nicht sprechen. Stattdessen ging es darum, wie eine demokratische Transformation aussehen könnte – und welche Schritte den Weg zu einer möglichen 3. Republik öffnen würden. Die Werkstatt war lagerübergreifend angelegt: als Raum für offenen, respektvollen Dialog, nicht als parteipolitisches Forum. Gearbeitet wurde auf Französisch und Englisch.
Damit knüpften wir an unsere erste Zukunftswerkstatt über Kamerun im Jahr 2019 an.
Leitfragen
- Wie kann das stark zentralisierte Verwaltungs- und Präsidialsystem weiterentwickelt oder überwunden werden?
- Welche Formen von Dezentralisierung und Machtteilung könnten regionale Ungleichheiten verringern und zugleich den nationalen Zusammenhalt stärken?
- Welche afrikanischen Formen von Machtteilung und Konsensdemokratie könnten für Kamerun interessant sein?
- Wie könnte ein Prozess für eine neue Verfassung und eine 3. Republik angestoßen werden?
- Welche Rolle kann die kamerunische Diaspora dabei spielen?
- Wie lässt sich das Misstrauen zwischen den politischen Institutionen Kameruns und Teilen der Diaspora überwinden?
So haben wir gearbeitet
Die Zukunftswerkstatt war ein gemeinsamer Denk- und Arbeitsprozess. Im Mittelpunkt standen keine fertigen Antworten, sondern Ideen, Visionen und konkrete Handlungsmöglichkeiten. Die Schritte bauten aufeinander auf:
Herausforderungen sammeln
Im Plenum trugen wir die zentralen Herausforderungen für eine demokratische Transformation zusammen, ordneten sie zu Themenfeldern und legten die Themen der Arbeitsgruppen fest.
Visionen entwickeln
In Arbeitsgruppen entstanden Zukunftsbilder: Wie könnte ein demokratisches, friedliches und inklusives Kamerun aussehen – positiv und zugleich realistisch?
Wege finden
Dann ging es um die Frage: Wie kommen wir dorthin? Die Gruppen erarbeiteten Strategien für den Übergang und konkrete Maßnahmen, mit denen man sofort beginnen könnte.
Ergebnisse zusammenführen
Zum Abschluss führten wir die Ergebnisse zusammen und reflektierten sie gemeinsam. Auch für Rückmeldungen und weitere Ideen war Raum.
Themen und Ergebnisse
Schon im ersten Schritt zeigte sich, wie breit die Herausforderungen sind. Auf der Moderationswand bildeten sich unter anderem diese Themenfelder:
- Neudefinition des politischen Systems
- Korruption und Straflosigkeit
- Unabhängigkeit und Dekolonisierung
- Identität und nationale Werte
- Dezentralisierung oder Föderalismus
- Bildung und Geschichtsvermittlung
- Einbindung der Diaspora
Zwei Beispiele aus den Arbeitsgruppen:
Unabhängigkeit und Dekolonisierung
Diese Gruppe verstand Unabhängigkeit umfassend: wirtschaftlich, kulturell und wissenschaftlich, aber auch in Bildung und Gesundheit. Zu ihren Empfehlungen gehörten die Weiterverarbeitung von Rohstoffen im eigenen Land und eine Reform von Bildung und Berufsbildung.
Identität und Korruptionsbekämpfung
Diese Gruppe entwarf einen Fahrplan mit der Zukunftsvision „CAM 2045“. Er beschreibt vier Transformationen – moralisch, institutionell, wirtschaftlich und kulturell – und schlägt Sofortmaßnahmen für mehr Transparenz und eine gemeinsame nationale Identität vor.
Wer dabei war
Eingeladen waren Menschen aus der kamerunischen Diaspora, aus anderen afrikanischen Diaspora-Gemeinschaften mit ähnlichen Herausforderungen und alle, die sich für eine friedliche Entwicklung Kameruns einsetzen. Über Zoom konnten auch Menschen in Kamerun und anderen afrikanischen Ländern mitdiskutieren.
In den Rückmeldebögen lobten Teilnehmende die gute Organisation, die interessanten Themen und den offenen, respektvollen Austausch. Eine Anregung: solche Werkstätten auch in Familienzentren und afrikanischen Begegnungsorten anzubieten.
Die Zukunftswerkstatt wurde von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und von der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe gefördert.


