
Am Samstag, 25. Oktober 2025, haben wir zum zweiten Mal zu einem Fachtag über den Krieg im Sudan eingeladen. Im Kurt-Schumacher-Haus in Berlin-Wedding und online diskutierten Fachleute und Vertreter*innen der sudanesischen Diaspora: Warum sind alle Friedensbemühungen bisher gescheitert – und wie kann der vergessene Krieg beendet werden?
rund 60
Gäste vor Ort
bis zu 48
Teilnehmende online
3
Impulsreferate mit Diskussion
Worum es ging
Im Jahr 2019 wurde im Sudan das langjährige Regime Omar al-Baschirs gestürzt. Ein Übergang zu Demokratie und Stabilität schien möglich. Doch seit April 2023 kämpfen Armee und RSF-Miliz gegeneinander – auf Kosten der Bevölkerung. Zum Zeitpunkt des Fachtags litten Millionen Menschen Hunger, Millionen waren auf der Flucht vor Gewalt. In der internationalen Öffentlichkeit schien der Krieg trotzdem vergessen.
Der Fachtag war Teil unseres zweijährigen Projekts „Frieden und Entwicklung im Sudan: Gibt es Wege aus dem Alptraum?“. Er führte die Diskussion unseres ersten Sudan-Fachtags 2024 weiter. Wir wollten Wege aus dem Bürgerkrieg ausloten und zeigen, was die afrikanische Diaspora dazu beitragen kann.
Leitfragen
- Woran und an wem sind die Friedensbemühungen bisher gescheitert – im Sudan selbst und international?
- Wie könnte eine dauerhaft tragfähige Konfliktlösung aussehen, und wer könnte sie anstoßen und durchsetzen?
- Wie lassen sich Wiederaufbau, Stabilisierung und Demokratisierung in einem souveränen Sudan einleiten?
- Wie bekommen Frauenorganisationen und die Demokratiebewegung, die den Sturz al-Baschirs mitgetragen haben, eine wichtige Rolle in Friedensverhandlungen?
- Wie können Deutschland, die EU und die Afrikanische Union das unterstützen?
- Was tut die sudanesische Diaspora in Deutschland, und wie kann die breitere afrikanische Diaspora sie unterstützen?
Das Programm
- 10:00 Uhr Begrüßung durch den AMK e.V.
- 10:10 Uhr Warum die Friedensverhandlungen im Sudan scheitern Impuls einer sudanesischen Frauen- und Menschenrechtlerin
- 11:00 Uhr Internationale Vermittlung im Sudan: Lehren und Perspektiven Impuls eines Wissenschaftlers der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP)
- 12:10 Uhr Die Rolle von Militär und Paramilitärs im Sudan Impuls des Vorstandsvorsitzenden des Sudanclub e.V.
- 13:00 Uhr Mittagspause mit sudanesischem Buffet und sudanesischer Live-Musik
- 14:00–16:00 Uhr Podiums- und offene Publikumsdiskussion mit den Referent*innen und weiteren Gästen
Auf dem Podium und in den Impulsen waren diese Organisationen und Stimmen vertreten:
- eine sudanesische Frauen- und Menschenrechtlerin
- Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP)
- Sudanclub e.V.
- National Movement for Building and Development (NMBD)
- Sudan Uprising Germany
- MOWATIN: Gulf Centre for Democratic Development, London
- ein Historiker und Sudan-Experte
Was in den Impulsen zur Sprache kam
Der erste Impuls zeichnete den Krieg zwischen der sudanesischen Armee und der RSF seit April 2023 nach. Nach UN-Zahlen waren mehr als zwölf Millionen Menschen vertrieben, 25 Millionen brauchten humanitäre Hilfe. Gefordert wurden ein inklusiver Verhandlungsprozess mit Zivilgesellschaft, Frauen und Jugend und ein verbindlicher Rahmen für die Teilung der Macht.
Der zweite Impuls zählte rund zwölf internationale Vermittlungsinitiativen seit April 2023 – von der Dschidda-Plattform über IGAD und die Afrikanische Union bis zur Londoner Konferenz im April 2025. Als Lehren daraus nannte er zersplitterte Konfliktparteien, das irreführende Bild von den „zwei Generälen“ und die Konkurrenz zwischen den Vermittlern.
Der dritte Impuls ging der Frage nach, wie Militär und Paramilitärs im Sudan so viel politische und wirtschaftliche Macht gewinnen konnten – und wie sich ihre Verselbstständigung gegenüber Politik und Gesellschaft überwinden lässt.
Begegnung vor Ort und online
Die Beiträge wurden simultan zwischen Deutsch und Englisch gedolmetscht. Online waren auch Gäste aus dem Ausland dabei, etwa ein sudanesischer Verein aus der Schweiz. In der Mittagspause blieb Zeit für Gespräche bei sudanesischem Buffet und Live-Musik – beides haben die Gäste in den Rückmeldebögen besonders gelobt.
Der Fachtag wurde von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und von der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe über die Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit (LEZ) gefördert.


