Projekte

Chancen in Bildung und Beruf für Binnengeflüchtete im Department Noun, Kamerun

Wann
2020
Wo
Département Noun, Kamerun
Partner
ADDC, Foumban
Gefördert von
Stiftung Nord-Süd-Brücken BMZ

2020 haben wir mit unserer Partnerorganisation ADDC ein Projekt für Binnenvertriebene im Département Noun gestartet. Es sollte ihnen und anderen benachteiligten Menschen den Weg in Schule, Ausbildung und Arbeit erleichtern: mit mehr Platz an einer zweisprachigen Grundschule, einer Schneiderausbildung auf Englisch, Französischkursen und Beratung.

Vertrieben im eigenen Land

2016 geriet Kamerun in eine tiefe Krise. Ihre Wurzeln liegen in der Kolonialzeit: Die ehemalige deutsche Kolonie wurde zwischen Frankreich und Großbritannien aufgeteilt. Nach Unabhängigkeit und Wiedervereinigung blieb die versprochene Dezentralisierung aus. Die englischsprachige Bevölkerung wurde politisch an den Rand gedrängt und sozial benachteiligt.

2016 begannen in den englischsprachigen Regionen friedliche Proteste, getragen vor allem von Anwält*innen. Einige Separatist*innen riefen zur Radikalisierung auf. Der Staat reagierte mit massiver Gewalt sowie Ausgangs- und Internetsperren in den Regionen Nordwest und Südwest. Alle Konfliktparteien haben schwere Menschenrechtsverletzungen begangen. Separatist*innen legten staatliche Schulen lahm, Kinder und Lehrkräfte wurden immer wieder entführt.

Bis 2020 waren mehr als 500.000 Menschen geflohen. Viele erreichten die benachbarte, französischsprachige Region West. Dort gab es kein System, das ihre Aufnahme koordinierte. Um knappe Ressourcen entstanden Konflikte mit der Bevölkerung vor Ort, oft auch Fremdenfeindlichkeit. Arbeit zu finden oder die Kinder zur Schule zu schicken, war für die Vertriebenen kaum möglich.

Die Lage in Bangourain und Foumban

Viele Alleinerziehende und unbegleitete Minderjährige kamen nur bis in die grenznahen Städte, besonders viele nach Bangourain, wo sonst rund 15.000 Menschen leben. Auf rein französischsprachigen Schulen wären die Kinder stark benachteiligt. Deshalb drängten sie in die staatliche bilinguale Grundschule. Von ihren rund 450 Schüler*innen waren mindestens 250 vertrieben. Die Räume waren so voll, dass Eltern aus der Nachbarschaft ihre Wohnungen für den Unterricht anboten – keine Lösung auf Dauer.

Ältere Vertriebene zogen auf der Suche nach Arbeit weiter nach Foumban, in das Zentrum der Region. Mit dem Schneiderhandwerk lässt sich dort relativ sicher eigenes Geld verdienen. ADDC bildet an seiner Berufsschule CENSAMA in Foumban seit 2017 Schneider*innen aus.

Was das Projekt vorsah

Mehr Platz in der Grundschule

Ein zusätzliches Gebäude auf dem Schulgelände in Bangourain mit zwei getrennten Klassenräumen, Möbeln und mehr Sanitäranlagen. Dazu neue Lehrkräfte zum Schuljahr 2020/21, mindestens eine davon mit Englisch als Hauptsprache. In Treffen mit vertriebenen und ortsansässigen Eltern sollte sich die Elterninitiative für die Neuen öffnen und eine Härtefallregelung für Waisen und besonders schwer getroffene Familien entstehen.

Schneiderausbildung auf Englisch

Ein zusätzlicher Ausbildungsgang an der Berufsschule in Foumban: komplett auf Englisch, praxisnah und ohne Gebühren, offen auch für benachteiligte Menschen aus dem Ort. Auf dem Plan stehen marktreife Kleidung, die Reparatur von Nähmaschinen und Rechnen für die Schneiderei. Nach zehn Monaten gibt es eine Nähmaschine und Werkzeug für den Start in den Beruf.

Französischkurse

Zwei kostenlose Kurse unter professioneller Leitung für insgesamt 70 Jugendliche und Erwachsene, ausgerichtet auf Beruf und Alltag. Sie stehen auch Menschen aus dem Ort offen, die sonst vor allem ihre Muttersprache sprechen und ihr Französisch verbessern wollen.

Beratung zu Bildung und Beruf

Eine erfahrene sozialpädagogische Fachkraft berät mindestens zweimal pro Woche in einem Büro an der Berufsschule. Sie stellt Kontakte zu Betrieben vor Ort her, damit Ratsuchende Berufe in der Praxis kennenlernen. Ein Flyer auf Englisch nennt die Sprechzeiten.

Schon im Projektverlauf zeigte sich, dass diese Angebote zu besserer Bildung, weniger Armut und mehr Integration beitragen.

Vertriebene statt Geflüchtete

Nach Gesprächen mit Menschen aus der Zielgruppe sprechen wir im Fall Kameruns von Binnenvertriebenen statt von Binnengeflüchteten. Im Projekttitel ließ sich diese Änderung nicht mehr umsetzen.

Das Projekt wurde von der Stiftung Nord-Süd-Brücken im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.