Wie lässt sich die Destabilisierung in der Sahel-Region überwinden? Darum ging es bei unserem AMK-Fachtag am 31. Oktober 2020 im Projektraum „Glaskiste“ im ExRotaprint. Wir fragten auch, was Deutschland, die EU und die afrikanische Diaspora zu Frieden, Stabilität und Entwicklung beitragen können.
Worum es ging
Frieden, Sicherheit und Stabilität sind Voraussetzungen für Entwicklung. Doch die Länder der Sahel-Region standen vor besonderen Herausforderungen. Seit dem Sturz des Regimes in Libyen breitete sich von dort Destabilisierung aus, und der Waffenhandel blühte. Islamistische Gruppen terrorisierten die Bevölkerung und befeuerten lokale Konflikte. Die Fluchtrouten durch die Sahelländer wurden noch lebensgefährlicher.
Hinzu kamen wirtschaftliche Probleme. Der Wandel der Landwirtschaft im Zuge der Weltmarktintegration und das Bevölkerungswachstum führten zu Unterbeschäftigung, die das verarbeitende Gewerbe nicht auffangen konnte. Viele Menschen landeten im unsicheren informellen Sektor. Zudem ist die Region besonders vom Klimawandel betroffen, und Konflikte zwischen Bauern und Viehzüchtern um fruchtbares Land nahmen zu.
Im damals aktuellen Bericht über die menschliche Entwicklung des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) lagen vier Sahelländer ganz hinten – auf diesen Plätzen von 189:
182
Mali
183
Burkina Faso
186
Tschad
189
Niger
Auch die Folgen des Kolonialismus spielen eine Rolle. Künstlich gezogene Grenzen und eine von den Kolonialmächten übernommene zentralistische Staatlichkeit ließen arme Regionen mit schwachen staatlichen Strukturen dauerhaft an den Rand geraten. Fehlendes Vertrauen in den Staat fördert Tribalismus und schlägt schnell in Ablehnung um. Vernachlässigte Bildungssysteme sind ein Nährboden für Terrorismus – und Schulen waren zu bevorzugten Zielen von Anschlägen geworden.
Leitfragen
- Wie kann die Destabilisierung überwunden werden?
- Wie lassen sich staatliche Strukturen und Zivilgesellschaften stärken und Frieden, Stabilität und Entwicklung fördern?
- Wie können Deutschland und die EU dabei unterstützen?
- Welche Möglichkeiten hat die afrikanische Diaspora?
Das Programm
- 9:30 Uhr Empfang
- 9:45 Uhr Begrüßung und Eröffnungsrede mit Grußworten der Botschafterin von Mali und des Botschafters von Burkina Faso
- 10:00 Uhr Impulsvorträge
- 11:30 Uhr Podiums- und Publikumsdiskussion mit der Botschafterin von Mali, dem Botschafter von Burkina Faso und einem Bundestagsabgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen
- 13:00 Uhr Mittagspause mit afrikanischem Buffet
- 14:00 Uhr Zwei parallele Workshops
- 15:30 Uhr Kaffeepause
- 16:00 Uhr Abschlussdiskussion
Die Impulsvorträge
- Ein Vertreter des Netzwerks Afrique-Europe-Interact sprach über sozioökonomische Konflikte – nicht nur zwischen Ackerbauern und Viehhirten – und darüber, was gerade in Zeiten des Klimawandels für mehr Stabilität geschehen sollte.
- Ein Wissenschaftler des Leibniz-Zentrums Moderner Orient befasste sich mit Jugend, Terrorismus, Staat und Religion in der sozialen Transformation.
- Ein Vertreter des Vereins Bürger aus Burkina Faso e.V. zeigte die Einflussmöglichkeiten von Zivilgesellschaft und Diaspora auf.
Die Workshops
Wirtschaft, Sicherheit und Staat
Wie kann sich die wirtschaftliche Lage verbessern, damit die Region stabiler wird? Wie lassen sich die Sicherheitslage verbessern und staatliche Strukturen festigen? Und was leisten der „Marshallplan mit Afrika“ der Bundesregierung und die Förderungen der EU?
Zivilgesellschaft, Diaspora und Religion
Was können Zivilgesellschaften, afrikanische Diasporen, Kirchen, Moscheen und entwicklungspolitische Organisationen beitragen – in Deutschland und in der Region? Und wie können sie den interkulturellen und interreligiösen Dialog fördern, um zwischen Gruppen zu vermitteln und dem extremistischen Missbrauch von Religion vorzubeugen?
Alle Beiträge wurden simultan zwischen Deutsch, Englisch und Französisch übersetzt. Wegen der Corona-Pandemie galten die vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen.
Mehr zum Fachtag lesen Sie in unserer Dokumentation (PDF).
Der Fachtag wurde von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert und von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe des Landes Berlin kofinanziert.
